Im zweiten Weltkrieg wurden schlimme Menschenversuche gemacht, so sind die von den Deutschen an Juden begangenen Gräueltaten schon lange bekannt. Dass die Japaner ähnlich grausame Versuche an Gefangenen machten wissen jedoch nicht viele. Das japanische Battalion 731 führte solche „Operationen“ mit höchster Geheimhaltungsstufe durch, um biologische und chemische Waffen zu entwickeln. „Men Behind the Sun“ zeigt diese wahren Begebenheiten aus Sicht einer Jugendkompanie, welche an diesem Ort zwischen 1942 bis zum Kriegsende 1945 ihre Ausbildung erhielt.
Dieses 1988 erschienene Drama wird oft genannt wenn es um die extremsten Filme geht. Findet man „Salo und die 120 Tage von Sodom“, „Irreversible“. „Caligula“ oder „Cannibal Holocaust“ stößt man zwangsläufig auch auf „Men Behind the Sun“. Tun Fei Mou der Regisseur und Autor des Films, versucht einen Kontrast zwischen entsetzlichen Szenen und der Erzählweise zu schaffen. Dies gelingt ihm dadurch teilweise dass er „Men Behind the Sun“ wie eine Dokumentation aufbaut. Er mischt gestellte Szenen mit einigen Bildern von Sprengungen und Truppen und bei Menschenversuchen wird der Name, das Alter und die Herkunft von den misshandelten Kriegsgefangen im Bild eingeblendet. Die Einstellungen sind langsam und wenig effekthaschend, da beispielsweise immer eine entfernte Perspektive im Gegensatz zu Close-Ups gewählt wurde, was zum restlichen Stil des Films passt. Die russischen, britischen, amerikanischen und chinesischen Kriegsgefangenen im Film werden von der Einheit 731 als „Maruts“ bezeichnet, was soviel wie „Feuerholz“ bedeutet und die Jugendkompanie wird bestraft wenn sie die Gefangenen beispielsweise „Mensch“ oder „Mann“ nennen. Die Beteiligten nennt die im Film gezeigten Vorgänge „medizinische Experimente“. Der Film zeigt all diese Taten detailreich und sehr glaubhaft. Einer Frau werden die Arme bei vollem Bewusstsein eingefroren, um später die abgefrorenen Überreste von den Knochen abzuziehen sondern auch wie ein Mensch in eine Dekompressionskammer gesteckt wird und eine Mutter zusammen mit ihrer Tochter mit Nervengas erstickt wird. Die heftigste Szene des Films ist meiner Meinung nach die Vivisektion (Autopsie an Lebenden) eines Kindes, welches mit einem der Jugendkompanien von Battalion 731 befreundet war. In dieser heftigen Sequenz werden echte Bilder einer Autopsie gezeigt, was sehr grausam, logischerweise realistisch aber auch überflüssig ist. Hätte Tun Fei Mou keine echten Szenen eingeblendet, zu denen neben der Autopsie auch die Verbrennung von lebenden Ratten gehört, hätte er meinen Respekt gehabt, denn die nicht echten Szenen sind wohl kaum realistischer umsetzbar. Aber durch die Einblendung der echten Szenen wird der Film, was er nicht hätte sein müssen zu einem Exploitation-Film, da der einzige Zweck der Nutzung solcher Footage dazu dient den Zuschauer zu Schocken. Die Ausrede des Regisseurs, dass die Ratten eh einige Tage später gestorben wären, ist nicht ausreichend. Selbst wenn dies stimmt, wären diese Tiere sicherlich nicht bei lebendigen Leibe verbrannt worden und auch wenn dies der Fall wäre, so wäre dies kein Ausrede, denn so hätte sich Ton Fei Mou nicht selbst schuldig gemacht, welcher sich seltsamerweise selbst als Tierliebhaber bezeichnet.
Redet man über „Men Behind the Sun“ so redet man gezwungenermaßen über die berüchtigte „Katzenszene“. In dieser wird eine lebendige Katze in einen Käfig mit Ratten geworfen, welche diese dann langsam bei lebendigem Leibe verspeisen. Auch nach intensiver Internetrecherche hat sich mir keine klare Antwort gegeben ob diese echt oder gefaked ist. Ich gehe von einer echten Szene aus, da die einzige Möglichkeit wie diese Szene unecht sein kann ist, wenn eine lebendige Katze mit falschem Blut eingeschmiert wurde und eine ähnliche schon tote Katze in die Ratten geworfen wurden. Während die lebende Katze dann wohl nicht angegriffen werden durfte, wurde die tote Katze von den Ratten verspeist und dies clever geschnitten. Denn diese Szene ist auch so realistisch und glaubhaft und gleichzeitig auch ähnlich abscheulich wie der Rest des Films. Das Traurige ist dass sie absolut keinen anderen Zweck erfüllt als zu Schocken, worin sie jedoch erfolgreich drin ist, aber dass die Einheit 731 wortwörtlich über Leichen ging um unnütze Ergebnisse zu bekommen ist jedem bereits nach der ersten Menschenversuchsszene klar und die „Katzensequenz“ somit absolut überflüssig.
Zwischendurch erklärt die stringente Handlung des Films dass die Versuche durchgeführt werden um den Krieg zugunsten der Japaner mit biologischen Waffen zu wenden. Gewissenhaft verfolgen alle Mitglieder des Battalion 731 dieses Ziel, nämlich kompromisslos und ohne Rücksicht auf andere Menschen, auch in ihren eigenen Reihen. Ausserdem hat der Film einen nebensächlichen Erzählstrang aus der Sicht chinesischer Gefangener, welche mit allen Mitteln versuchen die Wahrheit über den als Luftreinigungsanlage getarnte Anlage an die Außenwelt zu bringen, damit diese eindeutigen Kriegsverbrechen aufgedeckt werden. Dieser Versuch scheitert nach einem mißglückten Fluchtversuch. Bemerkenswert ist dass Tun Fei Mou versucht fast alle Personen nicht eindimensional erscheinen lässt. So werden zB. die Trauer, Übelkeit und Abscheu auch von Mitgliedern der Einheit 731 gezeigt welche die Menschenversuche mitbekommen. Die Geschichte und die Charaktere sind glaubwürdig dargestellt, was durch die überzeugenden Darsteller und das durchaus ordentliche Skript erreicht wurde.
Ich bezweifel, dass ohne die Katzen, Ratten und Autopsieszene der Film in bleibender Erinnerung bei Zuschauern geblieben wäre. Denn dazu ist er, auch wenn die restlichen Szenen sehr überzeugend inszeniert wurden, nicht gut genug und nicht schockierend genug, auch wenn die Szenen thematisch und optisch zu den grauenvollsten Handlungen gehören die man sich (nicht) vorstellen kann und unzweifelhaft alles gezeigte gräßlich und beklemmend ist. Deshalb muss man diesen Film, auch wenn sich die Handlung um eine sicherlich wichtige und im gedächtnisbleibende Episode in Japans Geschichte dreht, als überflüssigen Exploitationfilm abhandeln, der die gewünschte Wirkung nur mit überflüssigen Mitteln erreicht. Trotzdem ist es erschreckend dass es diese Personen in Wirklichkeit gab, der Leiter der Abteilung Dr. Ishii gab beispielsweise nach dem Ende des Weltkriegs die Ergebnisse der Experimente an die Amerikaner weiter, um im Gegenzug strafrechtliche Immunität zu bekommen. Was im Abspann des im Original „Hei Tai Yang 731“ genannten Films, wohl wahrheitsgetreu, eingeblendet wird. Erst 14 Jahre nachdem der Film erschien wurde die Geschehnisse um das Battalion 731 von einem japanischen Gericht 2002 als Fakt bestätigt, was aber nicht dazu führt, dass der Film besser wird.
3/10
